Nachhilfe ist ein Milliardenmarkt. Schätzungen zufolge geben Eltern in Deutschland jährlich mehr als eine Milliarde Euro für private Lernunterstützung aus. Trotzdem bleibt die Frage, was Nachhilfelehrer dabei tatsächlich verdienen, erstaunlich schwer zu beantworten. Denn die Spanne zwischen einem Studenten, der am Wochenende Mathe erklärt, und einer ausgebildeten Lehrkraft, die für ein Institut fest angestellt unterrichtet, ist enorm.
Stundensätze 2026: Die wichtigsten Eckdaten
Wer als Nachhilfelehrer arbeitet, wird fast immer nach Stunden bezahlt. Der Stundensatz ist damit die entscheidende Kenngröße. Im Durchschnitt liegt er 2026 zwischen 12 und 45 Euro brutto, je nach Modell. Die Bandbreite ist also erheblich.
Für Schüler oder Studierende ohne pädagogische Ausbildung, die über Plattformen oder auf eigene Faust unterrichten, sind 12 bis 18 Euro pro Stunde realistisch. Wer bereits im fortgeschrittenen Studium ist, ein Fach auf Lehramt studiert oder einen Bachelor mitbringt, erzielt häufig 18 bis 25 Euro. Ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer mit Staatsexamen oder Referendariat können bei Privatstunden 35 bis 55 Euro verlangen, manche in Großstädten auch mehr.
Beim Arbeitgeber-Modell, also bei einem Nachhilfeinstitut als Angestellter, sieht es anders aus. Hier liegt der Stundenlohn für Honorarkräfte oft bei 14 bis 22 Euro, angestellte Vollzeitkräfte mit Festvertrag kommen je nach Träger auf einen Bruttolohn zwischen 2.200 und 3.100 Euro im Monat.
Regionale Unterschiede: München versus Magdeburg
Der Wohnort beeinflusst den erzielbaren Stundensatz erheblich. In München, Hamburg oder Frankfurt können selbstständige Nachhilfelehrer mit Qualifikation problemlos 40 Euro und mehr pro Stunde durchsetzen. Die Nachfrage ist hoch, die Kaufkraft der Eltern ebenfalls.
In strukturschwächeren Regionen Ostdeutschlands, etwa in Teilen Sachsen-Anhalts oder Mecklenburg-Vorpommerns, sind 20 bis 28 Euro für qualifizierte Privatlehrer eher die Obergrenze. Selbst gut ausgebildete Lehrkräfte stoßen hier schnell an Preisgrenzen, weil Eltern nicht bereit oder in der Lage sind, mehr zu zahlen.
Mittelstädte wie Hannover, Nürnberg oder Freiburg liegen erwartungsgemäß dazwischen. Dort sind 25 bis 38 Euro für erfahrene Nachhilfelehrer mit Fachkenntnissen in Mathematik, Englisch oder Chemie üblich.
Preise bei Instituten sind weniger regional
Wer bei einem bundesweit tätigen Institut angestellt ist, bemerkt die regionalen Unterschiede weniger deutlich. Große Ketten zahlen ihren Honorarkräften meist einheitliche Sätze, die kaum über 20 Euro pro Unterrichtsstunde hinausgehen. Dafür gibt es in der Regel eine gleichmäßige Auslastung und keinen Akquiseaufwand.
Qualifikation schlägt Erfahrung
Bei kaum einer Tätigkeit im Bildungsbereich spielt die formale Qualifikation so eine direkte Rolle beim Gehalt wie in der Nachhilfe. Eltern, die Privatunterricht buchen, entscheiden sich bei vergleichbarem Angebot fast immer für die Person mit dem höheren Abschluss, wenn der Preisunterschied moderat ist.
Konkret bedeutet das: Ein Student im dritten Semester Mathematik (kein Lehramt) und eine Studentin im siebten Semester Lehramt Mathematik können dieselben Inhalte vermitteln. Sie wird aber problemlos 5 bis 8 Euro mehr pro Stunde verlangen können. Das klingt nach wenig, summiert sich bei 20 Wochenstunden aber auf monatlich 400 bis 640 Euro mehr Umsatz.
Wer nach günstiger Nachhilfe in der Nähe sucht, findet heute über spezialisierte Plattformen schnell qualifizierte Lehrkräfte mit transparenten Preisangaben. Für Eltern ist das praktisch, für Nachhilfelehrer bedeutet es aber auch mehr Wettbewerb und Preisdruck von unten.
Selbstständig oder angestellt: Was rechnet sich?
Diese Frage stellt sich spätestens dann, wenn die ersten Anfragen reinkommen. Selbstständige Nachhilfelehrer verdienen pro Stunde mehr, tragen aber alle Risiken selbst: keine Unterrichtsstunde heißt kein Geld, Krankheitsausfälle gehen voll zu Lasten, Rentenversicherung und Krankenversicherung müssen eigenständig organisiert werden.
Ein angestellter Nachhilfelehrer bei einem Institut mit 25 Unterrichtsstunden pro Woche und 16 Euro Stundenlohn kommt auf rund 1.733 Euro brutto im Monat. Nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben bleiben etwa 1.350 bis 1.450 Euro netto. Das ist kein üppiges Gehalt, aber die Planbarkeit ist hoch.
Selbstständige mit 25 Privatstunden pro Woche und 30 Euro Stundensatz erzielen 3.250 Euro Umsatz monatlich. Davon gehen Krankenversicherung (circa 450 Euro für Selbstständige), Rentenversicherung (freiwillig, aber empfohlen mit circa 300 Euro), eventuelle Plattformgebühren und Einkommensteuer ab. Effektiv bleiben häufig 1.700 bis 2.000 Euro netto. Der Vorteil: Bei höherem Stundensatz oder mehr Stunden skaliert das Einkommen deutlich schneller.
Welche Fächer bringen mehr?
MINT-Fächer dominieren den Nachhilfemarkt. Mathematik ist mit Abstand das nachgefragteste Fach, gefolgt von Englisch und Deutsch. Wer allerdings in der Lage ist, Physik, Chemie oder Informatik auf gymnasialem Niveau zu unterrichten, kann höhere Stundensätze durchsetzen, weil das Angebot knapper ist.
- Mathematik (Gymnasium): 20 bis 40 Euro, je nach Region und Qualifikation
- Englisch (alle Schulformen): 15 bis 30 Euro, hohe Konkurrenz drückt Preise
- Physik / Chemie (Gymnasium): 25 bis 50 Euro, geringes Angebot
- Deutsch als Fremdsprache (DaF): 18 bis 35 Euro, steigende Nachfrage
- Latein / Altgriechisch: 30 bis 55 Euro, Nischenfach mit geringem Wettbewerb
Besonders gefragt sind Lehrkräfte, die Abiturvorbereitung anbieten können. Für intensive Prüfungsvorbereitungskurse in den letzten Wochen vor dem Abitur sind Stundensätze von 50 Euro und mehr keine Ausnahme, sofern die Lehrkraft nachweislich Erfahrung mitbringt.
Fazit: Gehalt hängt von sehr vielen Faktoren ab
Ein pauschales Nachhilfelehrer-Gehalt gibt es nicht. Wer als Student in einer Kleinstadt Grundschulkinder in Deutsch betreut, verdient monatlich vielleicht 400 bis 600 Euro als Nebenverdienst. Wer als ausgebildete Lehrerin in München Abiturvorbereitungskurse in Mathematik und Chemie gibt und sich eine feste Stammkundschaft aufgebaut hat, kann auf 3.500 bis 5.000 Euro monatlichen Umsatz kommen.
Die entscheidenden Stellschrauben sind: Fach, Region, Qualifikation, Beschäftigungsform und die eigene Bereitschaft, in Akquise und Aufbau einer Privatkundschaft zu investieren. Wer auf schnelle, verlässliche Auslastung ohne Eigenmarketing setzt, ist bei einem Institut besser aufgehoben. Wer langfristig mehr verdienen und flexibel arbeiten möchte, kommt an der Selbstständigkeit kaum vorbei.