Knapp 40 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland haben dem Grunde nach Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen, kurz VL. Dennoch lassen Millionen von ihnen dieses Gehaltsextra Jahr für Jahr ungenutzt verfallen. Das liegt meist nicht an mangelndem Interesse, sondern daran, dass das Thema auf den ersten Blick bürokratisch wirkt. Wer einmal verstanden hat, wie die Bausteine zusammengreifen, kommt auf bis zu 480 Euro im Jahr, die der Arbeitgeber in einen Sparvertrag einzahlt, ohne dass dafür Netto-Gehalt gekürzt wird.
Was vermögenswirksame Leistungen überhaupt sind
VL sind zweckgebundene Geldleistungen des Arbeitgebers. Sie fließen nicht auf das normale Girokonto, sondern direkt in einen zugelassenen Sparvertrag. Die gesetzliche Grundlage bildet das Fünfte Vermögensbildungsgesetz, das seit Jahrzehnten den Rahmen vorgibt. Der Arbeitgeber zahlt bis zu 40 Euro monatlich, der Arbeitnehmer kann freiwillig aufstocken, maximal bis zu 40 Euro monatlich als förderfähige Summe. Ob und in welcher Höhe ein Arbeitgeber VL zahlt, regelt meist der Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung. Wer in keinem tarifgebundenen Betrieb arbeitet, muss individuell verhandeln.
Die Anlageformen sind gesetzlich definiert. Zugelassen sind unter anderem Bausparverträge, Banksparpläne, fondsgebundene Sparpläne und die Tilgung von Baudarlehen. Fondssparpläne haben sich in den vergangenen Jahren zur beliebtesten Variante entwickelt, weil sie bei einem Sieben-Jahres-Horizont historisch die höchsten Renditen erzielt haben.
Arbeitnehmersparzulage: Wer bekommt sie 2026?
Neben dem Arbeitgeberzuschuss gibt es staatliche Förderung durch die Arbeitnehmersparzulage. Für Fondssparpläne beträgt sie 20 Prozent auf maximal 400 Euro jährliche VL-Einzahlungen, also bis zu 80 Euro pro Jahr. Für Bausparverträge sind es 9 Prozent auf maximal 470 Euro, also bis zu 42,30 Euro. Entscheidend sind die Einkommensgrenzen: Für Fondssparpläne liegt das zu versteuernde Jahreseinkommen 2026 bei 20.000 Euro für Ledige und 40.000 Euro für Verheiratete. Für Bausparverträge gelten 17.900 Euro beziehungsweise 35.800 Euro.
Diese Grenzen klingen niedrig, sind es für viele Berufseinsteiger, Teilzeitbeschäftigte oder Azubis aber durchaus realistisch. Die Zulage wird nicht automatisch überwiesen, sondern muss jährlich über die Einkommensteuererklärung beantragt werden. Wer das versäumt, verliert den Anspruch für dieses Jahr.
Steuerliche Behandlung: Was wirklich versteuert wird
VL-Zahlungen des Arbeitgebers sind grundsätzlich steuerpflichtiges Arbeitsentgelt und damit auch sozialversicherungspflichtig. Das ist der häufigste Irrtum: VL sind kein steuerfreier Bonus, sondern werden wie reguläres Gehalt behandelt. Der Steuervorteil entsteht auf einem anderen Weg, nämlich durch die Arbeitnehmersparzulage, die selbst steuerfrei ist, sowie durch die Anlage in steuerbegünstigte Produkte wie bestimmte Aktienfondssparpläne, bei denen die Vorabpauschale und der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro greifen.
Ein konkretes Rechenbeispiel: Eine Bürokauffrau mit 30.000 Euro Bruttojahreseinkommen erhält 40 Euro VL monatlich von ihrem Arbeitgeber. Das macht 480 Euro im Jahr. Nach Steuern und Sozialabgaben reduziert sich der Nettoeffekt, doch netto kommen ihr trotzdem rund 250 bis 280 Euro im Jahr als echter Vermögenszuwachs zugute, den sie ohne VL-Aktivierung nie gesehen hätte. Hinzu kommt nach Ablauf der siebenjährigen Sperrfrist die Arbeitnehmersparzulage, sofern das Einkommen unter der Grenze liegt.
Fondssparplan oder Bausparvertrag?
Die Wahl der Anlageform hängt von der persönlichen Situation ab. Wer keinen konkreten Immobilienwunsch hat, fährt mit einem Fondssparplan auf Aktien-ETF-Basis langfristig in der Regel besser. Die Sieben-Jahres-Sperrfrist zwingt zur Geduld, schützt aber gleichzeitig vor überstürzten Entscheidungen. Historische Renditen globaler Aktienindizes lagen in diesem Zeitraum meist im positiven Bereich, auch wenn Vergangenheitswerte keine Garantie für die Zukunft darstellen.
Wer dagegen in den nächsten Jahren Wohneigentum erwerben will, kann den Bausparvertrag sinnvoll einsetzen. Durch die staatliche Wohnungsbauprämie (bis zu 10 Prozent auf maximal 700 Euro jährlich, also 70 Euro) kommt ein weiterer Förderstein dazu, sofern das Einkommen unter der Prämiengrenze liegt. Beide Varianten lassen sich nicht kombinieren, es muss eine Entscheidung getroffen werden.
Wer sich einen fundierten Überblick über aktuelle Entwicklungen im Bereich persönlicher Finanzen verschaffen möchte, findet beim Finanz Echo regelmäßig aufbereitete Informationen zu solchen Themen.
So beantragen Sie VL beim Arbeitgeber
Der Ablauf ist simpler als befürchtet. Zuerst den Sparvertrag bei einer Bank oder einem Fondsanbieter abschließen und die Vertragsnummer sowie die Bankverbindung des Anbieters notieren. Dann beim Arbeitgeber oder der Personalabteilung einen VL-Antrag stellen und diese Daten übergeben. Ab dem nächsten Gehaltsmonat überweist der Arbeitgeber die VL direkt an den Anbieter. Einmal eingerichtet, läuft der Prozess vollautomatisch.
Wer seinen Arbeitgeber wechselt, kann bestehende Verträge in der Regel weiterführen und die neuen VL-Zahlungen einzahlen lassen. Die Sperrfrist beginnt jedoch mit dem Datum der ersten Einzahlung, unabhängig vom Arbeitgeber.
VL als Teil einer breiteren Gehaltsstrategie
VL allein machen niemanden reich. Als Baustein innerhalb einer bewussten Gehaltsstrategie sind sie aber kaum zu schlagen, weil das Risiko gleich null ist. Selbst wenn Arbeitnehmer die VL vollständig selbst finanzieren müssen, weil kein Tarifvertrag greift, entstehen durch die staatliche Förderung und die Anlagestruktur Vorteile, die ein normales Tagesgeldkonto nicht bieten kann.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht die Anbieter von VL-fähigen Fondsprodukten in Deutschland. Das gibt zusätzliche Sicherheit, denn zugelassene Produkte unterliegen strengen Transparenz- und Kapitalanforderungen. Wer prüfen möchte, ob ein bestimmter Anbieter reguliert ist, kann dies direkt im öffentlichen Register der Behörde nachschlagen.
Unterm Strich gilt: VL beantragen kostet 20 Minuten, bringt aber über sieben Jahre betrachtet mehrere tausend Euro Mehrwert, wenn Arbeitgeberzuschuss, Sparzulage und Anlagerendite zusammenspielen. Wer das 2026 noch nicht aktiviert hat, verschenkt Geld.