Gehälter im öffentlichen Dienst 2026: was du nach TVöD und TV-L verdienst

Rund fünf Millionen Menschen in Deutschland arbeiten im öffentlichen Dienst — als Sachbearbeiter auf dem Amt, als Erzieherin in der Kita oder als Ingenieur im Tiefbauamt. Ihr Gehalt ist kein Verhandlungsergebnis, sondern steht schwarz auf weiß in einer Tabelle. Wer versteht, wie diese Tabellen funktionieren, kann seinen Verdienst über Jahre hinweg ziemlich genau vorhersagen. Dieser Ratgeber erklärt, was TVöD und TV-L sind, wie viel die einzelnen Entgeltgruppen 2026 zahlen und wo der öffentliche Dienst finanziell gegenüber der freien Wirtschaft steht.

TVöD und TV-L: zwei Systeme, ein Prinzip

Der öffentliche Dienst kennt zwei große Tarifwerke. Der TVöD (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst) gilt für Beschäftigte bei Bund und Kommunen. Der TV-L (Tarifvertrag der Länder) regelt die Bezahlung bei den Landesbehörden, Hochschulen und Landeseinrichtungen — mit Ausnahme von Hessen, das einen eigenen Tarifvertrag (TV-H) hat.

Beide Systeme arbeiten nach dem gleichen Prinzip: Dein Gehalt bestimmt sich aus zwei Faktoren — der Entgeltgruppe (E 1 bis E 15, abhängig von Qualifikation und Tätigkeit) und der Stufe (1 bis 6, abhängig von der Berufserfahrung). Je höher die Gruppe und je länger du dabei bist, desto mehr verdienst du. Stufenaufstiege passieren automatisch nach festgelegten Zeiten, ohne dass du verhandeln musst.

Was du 2026 tatsächlich verdienst: die aktuellen Zahlen

Seit dem 1. Mai 2026 gilt die zweite Stufe des Tarifabschlusses vom April 2025. Konkret bedeutet das eine Erhöhung um 2,8 Prozent, im TVöD ohne und im TV-L mit einer Mindesterhöhung von 100 Euro monatlich. Die erste Stufe (April 2025) brachte bereits 3 Prozent bei einem Minimum von 110 Euro. Zusammen ergibt sich über beide Stufen ein spürbares Plus, das vor allem in den unteren Entgeltgruppen überproportional wirkt — dort kamen bis zu 4,67 Prozent an.

TVöD-VKA: Monatsgehälter ab Mai 2026 (Auswahl)

Die folgende Übersicht zeigt das monatliche Bruttogehalt im kommunalen Bereich (VKA), jeweils für Berufseinsteiger (Stufe 1) und erfahrene Beschäftigte (Stufe 6):

E 5 (Verwaltungsfachangestellte, Hausmeister): 3.124 bis 3.783 Euro

E 8 (Techniker, erfahrene Verwaltungskräfte): 3.486 bis 4.231 Euro

E 9b (Sachbearbeiter mit Bachelor, IT-Fachkräfte): 3.780 bis 5.313 Euro

E 10 (gehobener Dienst, Ingenieure): 4.125 bis 5.753 Euro

E 11 (Ingenieure, Sozialarbeiter): 4.270 bis 6.327 Euro

E 12 (erfahrene Ingenieure, Architekten): 4.416 bis 6.900 Euro

E 13 (Wissenschaftler, Juristen): 4.901 bis 7.026 Euro

E 15 (Abteilungsleitung, hochqualifizierte Spezialisten): 5.828 bis 8.204 Euro

TV-L: Monatsgehälter ab April 2026 (Auswahl)

Im Länderdienst (TV-L) liegen die Gehälter in vielen Gruppen leicht unter dem TVöD, wobei die Unterschiede je nach Stufe variieren:

E 5: 3.074 bis 3.720 Euro

E 8: 3.420 bis 4.158 Euro

E 10: 4.038 bis 5.644 Euro

E 13: 4.759 bis 6.765 Euro

E 15: 5.658 bis 7.855 Euro

Wie viel davon netto übrig bleibt, hängt von Steuerklasse, Kirchensteuer und Sozialabgaben ab. Mit dem Brutto-Netto-Rechner kannst du deinen konkreten Auszahlungsbetrag berechnen.

In welche Entgeltgruppe kommst du?

Die Eingruppierung richtet sich nicht nach dem Jobtitel, sondern nach der auszuübenden Tätigkeit und der dafür geforderten Qualifikation:

E 1 bis E 4: Angelernte Tätigkeiten ohne Ausbildung (Reinigungskräfte, Küchenhilfen, Boten).

E 5 bis E 8: Tätigkeiten, die eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen (Verwaltungsfachangestellte, Erzieherinnen nach Anlage S, Techniker).

E 9 bis E 12: Gehobene Tätigkeiten mit Bachelor, Fachhochschulabschluss oder umfangreicher Berufserfahrung (Ingenieure, Sozialarbeiter, IT-Spezialisten, Sachbearbeiter mit besonderer Verantwortung).

E 13 bis E 15: Hochqualifizierte Tätigkeiten mit Master, Diplom oder vergleichbarer Qualifikation (Wissenschaftler, Ärzte in Kliniken, Juristen, Abteilungsleiter).

Wer unsicher ist, wo der eigene Beruf einzuordnen ist, kann die Gehälter verschiedener Berufe im Gehaltsvergleich nachschlagen und mit dem Tarif abgleichen.

Zulagen und Sonderzahlungen: was zum Grundgehalt dazukommt

Das Tabellengehalt ist nicht alles. Im öffentlichen Dienst gibt es eine Reihe von Zulagen, die das Gesamtpaket aufwerten:

Die Jahressonderzahlung (umgangssprachlich Weihnachtsgeld) beträgt je nach Entgeltgruppe und Tarifgebiet bis zu 85 Prozent eines Monatsgehalts. Im TVöD-VKA liegt sie für die Entgeltgruppen E 1 bis E 8 bei rund 90 Prozent, für E 9 bis E 12 bei 80 Prozent und für E 13 bis E 15 bei 60 Prozent. Neu ab dem Tarifabschluss 2025: Der Anspruch kann teilweise in bis zu drei zusätzliche freie Tage umgewandelt werden.

Die Vermögenswirksamen Leistungen (VL) betragen in der Regel 6,65 Euro monatlich — kein großer Betrag, aber ein Zuschuss zum Bausparvertrag oder ETF-Sparplan.

Schichtzulagen und Überstundenzuschläge gelten für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit und wurden im jüngsten Abschluss nochmals angehoben.

Ab 2027 kommt ein zusätzlicher Urlaubstag hinzu — ein Detail, das im Gesamtpaket-Vergleich mit der Privatwirtschaft relevant ist.

Außerdem gilt für die meisten Beschäftigten eine betriebliche Altersvorsorge über die VBL (Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder). Der Arbeitgeber zahlt den Großteil der Beiträge, was einer versteckten Gehaltserhöhung von mehreren Hundert Euro pro Monat entspricht.

Öffentlicher Dienst vs. freie Wirtschaft: der ehrliche Vergleich

Wer nur auf das Bruttogehalt schaut, wird feststellen: In vielen Berufen zahlt die freie Wirtschaft mehr — gerade in IT, Ingenieurwesen und bei Führungspositionen. Ein Softwareentwickler mit E 11 (rund 4.270 bis 6.327 Euro) kann in der Privatwirtschaft durchaus 5.500 bis 8.000 Euro erreichen. Das zeigt auch unser Gehaltsvergleich über 162 Berufe in 15 Branchen.

Das reine Bruttogehalt erzählt aber nur die halbe Geschichte. Der öffentliche Dienst punktet bei folgenden Faktoren:

Jobsicherheit: Betriebsbedingte Kündigungen sind nach TVöD § 34 Abs. 2 ab 15 Jahren Betriebszugehörigkeit bei demselben Arbeitgeber praktisch ausgeschlossen.

Planbare Gehaltsentwicklung: Die Stufenaufstiege sind vertraglich festgelegt. Du weißt heute, was du in fünf Jahren verdienst — ohne verhandeln zu müssen. Für Tipps zur Eingruppierung beim Einstieg hilft der Ratgeber-Bereich.

Betriebliche Altersvorsorge: Die VBL-Rente ist ein erheblicher geldwerter Vorteil, der in Gehaltsvergleichen oft unterschlagen wird.

Work-Life-Balance: 30 Tage Urlaub sind Standard (ab 2027: 31), flexible Arbeitszeitmodelle und Teilzeit sind breit etabliert. Wer von Vollzeit auf Teilzeit wechseln will, kann die Auswirkung mit dem Teilzeit-Rechner berechnen.

Familienfreundlichkeit: Elternzeit, Pflegezeit und Sabbaticals sind tariflich verankert und werden in der Praxis deutlich unkomplizierter gewährt als in vielen Privatunternehmen.

Stufenaufstiege: so entwickelt sich dein Gehalt automatisch

Im TVöD steigst du nach festgelegten Zeiten in die nächste Stufe auf:

Von Stufe 1 auf 2 nach einem Jahr. Von Stufe 2 auf 3 nach zwei weiteren Jahren. Von Stufe 3 auf 4 nach drei Jahren. Von Stufe 4 auf 5 nach vier Jahren. Von Stufe 5 auf 6 nach fünf Jahren.

Nach insgesamt 15 Jahren erreichst du also die Endstufe. Das bedeutet: Ein Sachbearbeiter in E 9b startet bei 3.780 Euro brutto und landet nach 15 Jahren automatisch bei 5.313 Euro — eine Steigerung von über 40 Prozent ohne eine einzige Gehaltsverhandlung.

Wie sich eine Gehaltserhöhung durch Stufenaufstieg netto auswirkt, lässt sich mit dem Gehaltserhöhungs-Rechner nachrechnen — denn von den rund 100 bis 200 Euro brutto mehr pro Stufe bleibt je nach Steuerklasse unterschiedlich viel übrig.

Für wen lohnt sich der öffentliche Dienst besonders?

Der öffentliche Dienst ist kein Kompromiss, sondern eine strategische Entscheidung. Besonders attraktiv ist er für Berufseinsteiger mit Studienabschluss, die in E 9 bis E 13 einsteigen und von Tag eins an eine transparente Gehaltsentwicklung haben. Ebenso profitieren Fachkräfte mit Familie, die Teilzeitmodelle, Elternzeit und Jobsicherheit höher bewerten als ein maximales Brutto. Und nicht zuletzt lohnt er sich für alle, die Planbarkeit über Verhandlungspoker stellen und wissen wollen, was sie in fünf, zehn und fünfzehn Jahren verdienen.

Wer seinen Marktwert prüfen will, findet im Gehaltsvergleich den Median, Einstiegs- und Spitzengehälter für über 160 Berufe. So lässt sich schwarz auf weiß vergleichen, ob der Tarif oder die freie Wirtschaft das bessere Gesamtpaket bietet.

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Jonas Keller

Jonas Keller ist Wirtschaftsredakteur mit Schwerpunkt Steuern und Arbeitsrecht. Er hat mehrere Jahre Lohnabrechnungen geprüft und übersetzt Steuerrecht in Sätze, die man beim ersten Lesen versteht. Bei Gehälter.net verantwortet er die Rechner und die Ratgeber.