Gehälter nach Bundesland: wie viel der Unterschied wirklich wert ist

Ein Gehaltsunterschied von 20 Prozent zwischen Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern klingt dramatisch. Ob er einen Umzug rechtfertigt, ist eine andere Rechnung.

Wie groß der Abstand tatsächlich ist

Quer über alle Berufe liegen Hamburg, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg rund 6 bis 8 Prozent über dem Bundesmittel. Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen liegen 14 bis 15 Prozent darunter. Zwischen dem obersten und dem untersten Bundesland liegen damit etwa 20 bis 25 Prozent.

Was in der Zahl steckt, ist selten das gleiche Unternehmen mit unterschiedlichen Gehältern. Es ist eine andere Wirtschaftsstruktur: mehr Konzernzentralen, mehr Industrie mit Tarifbindung, mehr große Arbeitgeber. Für die einzelne Person heißt das, dass der regionale Faktor stark davon abhängt, in welcher Branche sie arbeitet.

Warum tarifgebundene Betriebe den Unterschied machen

Die Tarifbindung ist der wichtigste einzelne Erklärungsfaktor für regionale Unterschiede. In der Metall- und Elektroindustrie oder in der chemischen Industrie liegt das Niveau spürbar über nicht tarifgebundenen Betrieben derselben Größe. Weil diese Industrien regional ungleich verteilt sind, verteilt sich auch das Gehaltsniveau ungleich.

Für die eigene Planung ist das nützlicher als der Landesdurchschnitt: Die Frage ist nicht, ob eine Region gut zahlt, sondern ob die Arbeitgeber deiner Branche dort tarifgebunden sind.

Die Gegenrechnung: was bleibt übrig

Ein um 15 Prozent höheres Gehalt in München nützt wenig, wenn die Warmmiete doppelt so hoch ist. Die Wohnkosten sind der einzige Posten, der zwischen Regionen so stark schwankt, dass er den Gehaltsunterschied überkompensieren kann.

Rechenschritt Was du einsetzt
Netto am neuen Ort Neues Bruttogehalt, gleiche Steuerklasse, Kirchensteuersatz des Bundeslandes beachten
Wohnkosten Warmmiete für vergleichbare Wohnfläche und Lage
Mobilität Auto plus Stellplatz oder Nahverkehrsticket, je nach Ort sehr unterschiedlich
Betreuung Kitabeiträge sind Landesrecht, in einigen Ländern beitragsfrei, in anderen dreistellig im Monat

Erst die Differenz aus Netto minus Wohnkosten minus Mobilität minus Betreuung ist vergleichbar. Häufig schrumpfen 15 Prozent Gehaltsunterschied dabei auf wenige Prozent zusammen, gelegentlich kippt das Vorzeichen.

Wo der Unterschied kleiner ist als gedacht

In tarifgebundenen und im öffentlichen Dienst geregelten Berufen fällt die regionale Spreizung deutlich geringer aus. Der TVöD gilt bundesweit, die Besoldung unterscheidet sich zwischen den Ländern zwar, aber weniger stark als der freie Markt. Wer in Pflege, Verwaltung, Schule oder Rettungsdienst arbeitet, findet zwischen den Regionen kleinere Unterschiede vor als in IT, Beratung oder Vertrieb.

Homeoffice verändert die Rechnung

Mit ortsunabhängiger Arbeit entsteht eine Kombination, die es vorher selten gab: das Gehaltsniveau eines Ballungsraums bei den Lebenshaltungskosten einer günstigeren Region. Verlässlich ist das allerdings nicht. Manche Unternehmen passen Gehälter an den Wohnort an, andere nicht. Diese Frage gehört ins Vertragsgespräch, nicht in eine spätere Überraschung.

Was in deinem Beruf regional zu erwarten ist, siehst du auf jeder Berufsseite unter „Gehalt nach Bundesland“ und im Gehaltsvergleich, wenn du dort das Bundesland umstellst.

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Nina Brenner

Nina Brenner hat Volkswirtschaftslehre studiert und acht Jahre in der Vergütungsberatung gearbeitet, davon vier in der Entgeltanalyse eines Industriekonzerns. Sie kennt die Systematik hinter Gehaltsbändern und Eingruppierungen und verantwortet bei Gehälter.net das Datenmodell und die Berufsanalysen.